Was ist ein Holsteiner?
Der Holsteiner ist eine deutsche Warmblutrasse aus Schleswig-Holstein, dem nördlichsten Bundesland Deutschlands. Gezüchtet wird er vor allem für das Springen und die Vielseitigkeit, und er gilt als eine der ältesten Warmblutrassen der Welt. Ein typischer Holsteiner misst zwischen 163 und 173 cm Stockmaß, hat einen gut aufgesetzten, gewölbten Hals, einen festen Rücken und eine kraftvolle Hinterhand und verbindet Vermögen am Sprung mit einem leistungsbereiten, verlässlichen Charakter.
Holsteiner werden beim Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes in Elmshorn eingetragen, einem vergleichsweise kleinen Zuchtbuch mit einer außergewöhnlichen Bilanz im internationalen Sport. Eingetragene Pferde tragen den Holsteiner Brand: ein gekröntes Wappenschild mit dem Buchstaben H.
800 Jahre Geschichte
Die Wurzeln der Rasse reichen bis ins Jahr 1225 zurück, als Graf Gerhard I. dem Kloster Uetersen das Recht verlieh, seine Pferde auf dem Brachland der Grafschaft Pinneberg weiden zu lassen. Die Klöster wurden zu den ersten planmäßigen Züchtern, und Pferde aus Holstein waren bald in ganz Europa gefragt.
1735 wurden zwölf schwarze Holsteiner Hengste angekauft, um das Landgestüt Celle zu gründen, den Ausgangspunkt der Hannoveraner Zucht. 1891 gründete Georg Ahsbahs das Holsteiner Stutbuch, wenige Jahre später folgte die Reit- und Fahrschule in Elmshorn. Elmshorn ist bis heute das Zentrum der Holsteiner Zucht. 1935 schlossen sich die regionalen Zuchtvereine zum heutigen Verband zusammen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg brach die Nachfrage nach Kutsch- und Arbeitspferden ein. Die Holsteiner Züchter reagierten früh und konsequent: Mit Vollbluthengsten wie Anblick xx, Cottage Son xx, Marlon xx und Ladykiller xx und später mit dem französischen Hengst Cor de la Bryère machten sie aus dem kräftigen Karossier innerhalb weniger Generationen ein modernes Sportpferd.
Exterieur und Charakter
Holsteiner sind mittelrahmige, athletische Pferde. Typisch sind der gut aufgesetzte, gewölbte Hals, eine schräge Schulter, ein fester Rücken und eine kraftvolle Hinterhand, die ihnen den Schub am Sprung gibt. Die Grundgangarten sind elastisch, mit einem besonders klaren, bergauf gesprungenen Galopp.
Die häufigsten Farben sind Braun, Dunkelbraun und Rappe; Schimmel und Füchse sind ebenfalls zugelassen. Schecken werden im Zuchtbuch nicht eingetragen.
Im Temperament reicht die Bandbreite von ruhig und gelassen bis sensibel und vorwärts. Am meisten schätzen Züchter einen ausgeglichenen, verlässlichen und mutigen Charakter: ein Pferd, das mitdenkt und am Sprung ehrlich bleibt.
Gezüchtet für Springen und Vielseitigkeit
Für ein vergleichsweise kleines Zuchtbuch hat der Holsteiner eine außergewöhnliche Bilanz im Spitzensport. Einige Beispiele aus der Olympischen Geschichte:
- Classic Touch: Einzelgold im Springen in Barcelona 1992 mit Ludger Beerbaum
- Cento: Mannschaftsgold im Springen in Sydney 2000 mit Otto Becker
- Cedric und Carlsson vom Dach: Mannschaftsgold im Springen für die USA in Peking 2008 mit Laura Kraut und Will Simpson
- Marius: Einzel- und Mannschaftsgold in der Vielseitigkeit in Peking 2008 mit Hinrich Romeike
- Granat: Einzelgold in der Dressur in Montreal 1976 mit Christine Stückelberger
Holsteiner Blut ist außerdem die Grundlage vieler anderer Springpferdezuchten, denn Holsteiner Hengste werden in ganz Europa und Nordamerika eingesetzt.
Stämme: wie Holsteiner Züchter denken
Eine Besonderheit der Holsteiner Zucht ist die sorgfältige Dokumentation der Stutenfamilien. Jeder Stamm hat eine eigene Stammnummer, und viele Stämme lassen sich über mehr als ein Jahrhundert zurückverfolgen. Für Züchter ist der Stamm oft genauso wichtig wie der Hengst: Er zeigt, welche Qualitäten sich über Generationen von Stuten verlässlich vererbt haben.
Im Holsteiner Pedigree steht die Stammnummer oft neben der Mutter. Diarado zum Beispiel stammt aus dem Stamm 318D2. Bei Grafity-Pferde bauen wir unsere Zucht auf unseren eigenen Zuchtstuten und ihren Familien auf und wählen die Hengste passend dazu aus.
Prägende Blutlinien
Einige Hengste haben den modernen Holsteiner stärker geprägt als andere:
- Ramzes AA, Vater von Raimond und Großvater von Ramiro, oft als Jahrhunderthengst bezeichnet
- Ladykiller xx, Vater von Landgraf I und Lord
- Cottage Son xx, Großvater von Capitol I
- Cor de la Bryère, der Springtechnik und Vorsicht in die Rasse brachte
- Almé Z und Bachus Z als weitere wichtige Einflüsse
Heute stehen Namen wie Cassini I, Casall und Diarado für modernes Holsteiner Springblut.
Holsteiner oder Hannoveraner?
Beide sind deutsche Warmblüter mit gemeinsamen Wurzeln: Die Hannoveraner Zucht wurde 1735 mit Holsteiner Hengsten begründet. Heute ist der Hannoveraner eines der größten Warmblutzuchtbücher und züchtet für alle Disziplinen, mit einem starken Dressurzweig. Das Holsteiner Zuchtbuch ist deutlich kleiner und konzentriert sich seit Jahrzehnten auf Springen und Vielseitigkeit. Holsteiner gelten als besonders kraftvolle und vorsichtige Springer, Hannoveraner als besonders vielseitig. Am Ende zählen aber das einzelne Pferd und sein Pedigree mehr als der Brand.
Was kostet ein Holsteiner?
Der Preis hängt von Alter, Ausbildung, Abstammung, Gesundheit und Röntgenbefund ab, außerdem von Erfolgen in Jungpferdeprüfungen oder im Turniersport. Fohlen und junge Pferde direkt vom Züchter sind meist der günstigste Weg zu einem gut gezogenen Holsteiner; ausgebildete Pferde mit Turniererfolgen kosten deutlich mehr. Unsere aktuellen Pferde und Preise finden Sie unter Verkaufspferde. Steht dort „auf Anfrage“, fragen Sie uns einfach.
Einen Holsteiner beim Züchter kaufen
Wenn Sie über den Kauf eines Holsteiners nachdenken, erklärt unser Ratgeber Pferdekauf beim Züchter Besichtigung, Ankaufsuntersuchung, Transport und Papiere Schritt für Schritt. Oder schauen Sie direkt bei unserer Nachzucht und den Verkaufspferden vorbei.
